Blum

Blum,
 
1) Léon, französischer Politiker und Schriftsteller, * Paris 9. 4. 1872, ✝ Jouy-en-Josas (bei Versailles) 30. 3. 1950; Journalist, errang schon früh Aufmerksamkeit durch Literatur- und Theaterkritiken in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Politisch schloss er sich 1902 dem reformistisch orientierten »Parti Socialiste Français« (PSF; deutsch »Französische Sozialistische Partei«) an. 1905 hatte er großen Anteil an der Einigung der französischen Sozialisten in der »Section Française de l'Internationale Ouvrière« (SFIO; deutsch »Französische Sektion der Arbeiter-Internationale«).
 
1919 wurde Blum Mitglied der Deputiertenkammer und Vorsitzender der sozialistischen Kammerfraktion. Auf dem Kongress der SFIO 1920 in Tours wandte er sich zusammen mit P. Faure gegen den Anschluss seiner Partei an die III. (kommunistische) Internationale (»Komintern«). Nach der Abspaltung der französischen KP von der SFIO (1920) stieg er zum unbestrittenen Führer seiner Partei auf, die er im Sinne von J. Jaurès im Geiste eines »humanistischen Sozialismus« zu leiten suchte. Außenpolitisch wandte er sich besonders gegen die nationalistisch motivierte Deutschlandspolitik seines Landes nach dem Ersten Weltkrieg (z. B. gegen die Besetzung des Ruhrgebiets). 1924 war Blum einer der Mitbegründer des Cartel des gauches. 1936-37 leitete er als Ministerpräsident die erste Volksfrontregierung (Frankreich, Geschichte); 1937-38 war er stellvertretender Ministerpräsident, 1938 kurzfristig Ministerpräsident.
 
Im Zweiten Weltkrieg ließ ihn 1940 die Vichyregierung verhaften (Prozess von Riom) und lieferte ihn später an die deutsche Besatzungsmacht aus, die ihn 1943-45 in den KZ Buchenwald und Dachau inhaftierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte er als Ministerpräsident 1946-47 ein sozialistisches Minderheitskabinett.
 
Werke: Nouvelles conversations de Goethe avec Eckermann (1901); Au théatre, 4 séries (1906-11); Bolchevisme et socialisme (1927); La réforme gouvernementale (1936); À l'échelle humaine (1945).
 
 
G. Ziebura: L. B. (1963).
 
 2) Lisa-Marie, Schriftstellerin und Malerin, * Bremerhaven 3. 10. 1911, ✝ Hamburg 16. 3. 1993; schrieb zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, u. a. »Das geheimnisvolle Karussell« (1959), auch Erzählungen (»Marionetten«, 1978), Gedichte.
 
 3) Peter, südafrikanischer Dichter, * Triest 4. 5. 1925; schreibt in Afrikaans; kam 1937 nach Südafrika und lebt seit 1960 in England. Die südafrikanische Gesellschaft ist bei ihm Objekt bissiger Kritik.
 
Werke: Lyrik: Steenbok tot poolsee (1955); Enklaves van die lig (1957).
 
 4) Robert, Politiker, * Köln 10. 11. 1807, ✝ Brigittenau (heute zu Wien) 9. 11. 1848; in Leipzig u. a. kaufmännische Gehilfe, Theaterdiener, schriftstellerisch, später auch publizistisch tätig. Als Redner und Publizist leitete er seit 1839 die liberale Opposition in Sachsen, der er dort auch neue organisatorische Strukturen gab. In der Frankfurter Nationalversammlung 1848 leitete er die demokratische Linke (»Deutscher Hof«), wobei er sich u. a. für die Einführung der Republik mit legalen Mitteln einsetzte. Im Oktober 1848 begab er sich mit J. Fröbel nach Wien, um den dort in offenem Kampf gegen die Regierung stehenden Demokraten eine Sympathieadresse der Nationalversammlung zu überbringen, und beteiligte sich kurze Zeit aktiv am Kampf. Als Führer einer Batterie wurde er nach der Einnahme Wiens durch Fürst A. zu Windischgraetz (31. 10.) gefangen genommen, zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen. Seine Hinrichtung, die gegen geltendes Reichsrecht (Immunität als Abgeordneter) verstieß, kennzeichnete den bewussten Bruch der in Österreich siegreichen Reaktion mit der Frankfurter Nationalversammlung.
 
Ausgaben: Ausgewählte Reden und Schriften, herausgegeben von H. Nebel, 10 Hefte (1879-81); Politische Schriften, herausgegeben von S. L. Gilman, 6 Bände (1979).
 
 
Siegfried Schmidt: R. B. Vom Leipziger Liberalen zum Märtyrer d. dt. Demokratie (1971).

Universal-Lexikon. 2012.

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